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Von Still-Mythen, Kinderernährung und Co.: Elternseminare der Stiftung „Kinder.Gesundheit.Mainz“ gehen in die zweite Runde


Am Samstag, den 09.06.2018 hat die zweite Auflage der Elternseminarreihe der Stiftung „Kinder. Gesundheit.Mainz“ stattgefunden. Rund zehn Seminarteilnehmer haben den Samstagvormittag genutzt, um sich bei den Kindergesundheits-Experten der Mainzer Universitätsmedizin den ein oder anderen hilfreichen Tipp für eine gesunde Zukunft ihrer Kinder abzuholen.

Foto: Frau Dr. Whybra (Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Schwerpunktbezeichnung Neonatologie, Still-und Laktationsberaterin IBCLC, Neugeborenennotärztin)

Nach ein paar einführenden Worten von Herrn Jost, Leiter Marketing / Öffentlichkeitsarbeit der MVB-Bank-Filiale in Mainz, nutzte auch Univ.-Prof. Dr. med. Fred Zepp, Leiter des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin und Vorstand der Stiftung, die Gelegenheit, die Seminarteilnehmer herzlich in den Räumlichkeiten der MVB-Bank zu begrüßen: „Wir von der Stiftung Kinder.Gesundheit.Mainz setzen jeden Tag alles daran, dass Kinder und Jugendliche in bester körperlicher, geistiger und sozialer Verfassung aufwachsen können. Vor diesem Hintergrund haben wir auch die Elternseminarreihe ins Leben gerufen. In den kommenden Stunden wollen wir Ihnen, liebe Eltern, bei allen Fragen rund um die Gesundheit Ihrer Kinder mit unserem medizinischen Know-How mit Rat und Tat zur Seite stehen.“  

Den Auftakt an diesem Vormittag machte Frau Dr. med. Catharina Whybra, Oberärztin auf der perinatologischen Intensivstation und Leiterin des Projektes „Babyfreundliches Krankenhaus“. In einem spannenden und informativen Vortrag brachte sie den Eltern die Geschichte des Stillens näher, zeigte aus welchen Stoffen sich Muttermilch überhaupt zusammensetzt und klärte schließlich über Mythen und Märchen auf, die sich im Laufe der Jahrhunderte rund um das Thema Stillen angehäuft haben.

Beispielsweise sei ein Stillrhythmus mit festen zeitlichen Mindestabständen zwischen den Mahlzeiten nicht physiologisch, was zu einer verminderten Milchmenge führen kann. Gerade in den ersten 6 Lebensmonaten ist eine Stillhäufigkeit von bis zu 8- bis 12-mal pro Tag erforderlich. Wenn Säuglinge eine längere nächtliche Schlafphase haben, wirkt sich das dementsprechend auf den Stillrhythmus tagsüber aus: die Kinder wollen in dieser Zeit öfter gestillt werden. Das Stillen bei Bedarf ist dem Stillen nach festen Uhrzeiten vorzuziehen.

Abends kann es zu Unruhezuständen kommen, in denen das Baby stundenlang in kurzen Abständen gestillt werden will. Dieses sogenannte Clusterfeeding, welchem oft von einer längeren Schlafphase folgt, führt oft zu Verunsicherung der Eltern, da diese einen Mangel an Milch vermuten. Es stellt jedoch ein normales Verhalten dar, welches seinen Höhepunkt um die 4. Lebenswoche zeigt.
Zu den Stillmythen zählen Empfehlungen über Milchbildungsfördernde Nahrungsmittel und Kräuter, wie beispielsweise Malzbier oder Kümmel-Fenchel-Anis-Tee, deren Wirkung nicht eindeutig erwiesen ist. Vielmehr wird die Milchmenge hormonell geregelt und ist von der Stillfrequenz abhängig, ganz nach dem Prinzip "Angebot und Nachfrage".

Ein häufiger Grund für frühzeitiges Abstillen ist das Auftreten wunder, schmerzhafter Mamillen. Hier rät Frau Dr. Whybra, auf die korrekte Anlegetechnik zu achten und die Säuglinge nicht erst bei starker Unruhe und Weinen zu stillen. Das Anlegen beim Auftreten von ersten Hungerzeichen wie Suchreaktion, Schmatzen und Lecken kann die Gefahr wunder Mamillen reduzieren. Die Dauer der Stillmahlzeit variiert gerade in den ersten Lebenswochen von Kind zu Kind und liegt meist zwischen 5 min und 20 min.

Die natürliche Stilldauer verschiedener traditioneller Kulturen liegt übrigens zwischen einem Jahr und 5 Jahren, meist wird um den 3. Geburtstag abgestillt. Die WHO empfiehlt in den ersten 6 Monaten ausschließliches Stillen und Teilstillen bis zu 2 Jahren. Darüber hinaus, solange es Mutter und Kind wünschen. Es hat sich gezeigt, dass bei einer längeren Stilldauer das Risiko für Infektionskrankheiten der Kinder sowie das mütterliche Risiko für ein Mammakarzinom sinken.

Generell sollen sich Mütter beim Stillen jedoch wohl fühlen und keinen "Stillzwang" empfinden.

Nach einer kurzen Vortragspause stand bereits die zweite Referentin in den Startlöchern: Frau Dr. med. Dipl. oec. troph. Viola Bähner, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Assistentin der Privatambulanz, erklärte den Seminarteilnehmern alles rund um das Thema Ernährung von Kindern im ersten Lebensjahr. Welchen Einfluss hat eigentlich Stillen und Beikost auf Allergien? Welche Flaschennahrung ist für welches Alter geeignet? Und was sollten Kleinkinder auf gar keinen Fall essen oder trinken? Beide Vorträge wurden mit einer spannenden Diskussionsrunde abgeschlossen, bei der die Eltern die Referentinnen nicht nur mit Fragen löchern durften, sondern auch ihre eigenen Erfahrungen mit einbrachten. 

Ein großes Dankeschön geht auch dieses Mal an die Mainzer Volksbank, die uns nicht nur bei der Vorbereitung tatkräftig unterstützt hat, sondern die Räumlichkeiten für die Seminare zur Verfügung stellt. Auch das nächste Elternseminar am 11.08.2018 findet wieder in Kooperation mit der Mainzer Volksbank statt. Dort informiert Frau Dr. med. Kullmer rund um das Thema „Akute und chronische Bauschmerzen bei Kindern und Jugendlichen“ und steht Ihnen für Fragen und Diskussionsrunden aller Art den gesamten Vormittag lang zur Verfügung. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos. Wir freuen uns auf Ihr zahlreiches Erscheinen!