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Elternseminar zum Thema "Kann Allergie verhindert werden"


Unter dem Motto „Wissen, das schützt“ fand am 27.10. unser viertes Elternseminar statt. Thema des Vormittags waren Allergien und ob diese verhindert werden können. Der Vortragsraum war bis auf den letzten Platz gefüllt und wir danken erneut ganz besonders den Herren Schmidt und Benkelberg von der MVB für ihre freundliche und tatkräftige Unterstützung.

Foto: Frau Dr. Poplawska (Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin) und Herr Schmidt (MVB Mainz / Direktor Regionalcenter).

Prof. Fred Zepp, Vorsitzender der Stiftung KINDER.GESUNDHEIT.MAINZ und Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin in Mainz begrüßte die Anwesenden und betonte, wie wichtig es sei, Aufklärungsarbeit bei medizinischen Fragen der jungen Eltern zu leisten.
Allergien seien dabei ein wichtiges Thema. "Wir wollen den Vormittag nutzen, um bestehenden Unsicherheiten entgegenzuwirken und Sicherheit durch Wissen schaffen. So kann bei Allergien zu viel Hygiene kontraproduktiv sei. Frau Dr. Poplawska wird uns erklären, warum.", so Prof. Zepp.

Zu Beginn des Vortrags empfahl Frau Dr. Poplawska ( Pädiatrische Pneumologie, Allergologie u. CF- Ambulanz ) eine Internetseite ( PINA ), die als Online- Ratgeber fungiert. "Häufig können solche Seiten eher verunsichern, in diesem Falle aber kann man den Ratgeber durchaus als
Hilfsangebot bei Fragen rund um das Thema Allergie nutzen.", so die Ärztin. Die jungen Eltern bekamen zunächst eine Einführung zu den Fragen " Was ist eine Allergie, wie entsteht sie, was sind die typischen Anzeichen..?"

Das Wort Allergie kommt aus dem griechischen und bedeutet eine "veränderte Reaktionsfähigkeit" des Immunsystems. 90% aller Allergien zählen zum Typ 1, auch Allergie vom Soforttyp genannt. Dazu zählen: Allergien gegen Gräser- und Baumpollen, Hausstaubmilben, Nahrungsmittel, Bienen- und Wespengift sowie gegen Tierhaare. Das Immunsystem bildet Antikörper gegen das Allergen, um es zu bekämpfen. Wird das Allergen im Körper erkannt, werden Entzündungsbotenstoffe freigesetzt, z.B. Histamin. Typische Symptome, die auftreten können: Schwellungen der Haut oder Schleimhäute. Dies passiert wenige Minuten bis wenige Stunden nach dem Kontakt mit dem Allergen. Allergische Erkrankungen stellen das häufigste Gesundheitsproblem im Kinder- und Jugendalter dar, erklärt Frau Dr. Poplawska. In Zahlen: Jedes fünfte Kind in Deutschland ( von 17.000 untersuchten Kindern/ Jugendlichen ) leidet an einer Erkrankung wie Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis. Die Frage der Eltern war dann natürlich, woran man nun erkennt, ob der Nachwuchs unter einer Allergie leidet.

Die Ärztin nannte folgende möglichen Symptome:
Schnupfen und tränende Augen, Nesselsucht, Schwellungen ( Lippen,Gesicht, Ohren ), Ödeme, Neurodermitis, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Atemnot, Kreislaufprobleme. Häufig treten die Symptome saisonal auf, ohne dass ein fieberhafter, viraler Infekt vorliegt.

Frau Paplowska riet den Eltern, aufmerksam zu sein. "Wenn eine Neurodermitis diagnostiziert wird, lohnt es sich, zu untersuchen, ob bei dem betroffenen Kind Nahrungsmittelallergien vorliegen. Häufig gibt es da einen Zusammenhang."

Die Frage, die sich stellt, lautet dann, welche Nahrungsmittel denn nun schwere Reaktionen
hervorrufen können. Ganz oben auf der Liste finden sich Erdnüsse, gefolgt von Haselnüssen.( Auch Walnüsse spielen eine Rolle ). Weitere Allergie auslösende Lebensmittel können sein: Kuhmilch ( muss nicht für immer sein ), Hühnerei, Weizenmehl, Soja, Fisch, Sellerie und Schalentiere. Interessant ist in diesem Zusammenhang: Farb- und Konservierungsstoffe, Zucker und Zitrusfrüchte spielen hier keine Rolle. Im nächsten Vortragspunkt ging es um lebensbedrohliche Reaktionen, die auf einer Allergie beruhen. Bei Atemnot und Kreislaufproblemen muss unverzüglich medizinische Hilfe erfolgen.

Wieso nun bekommt gerade mein Kind eine Allergie, war eine Frage, die die anwesenden Eltern beschäftigt. Frau Dr. Poplawska erklärt: "Die genetische Prädisposition spielt eine Rolle, das heißt, dass oftmals beide Elternteile selbst von einer Allergie betroffen sind. Hinzu kommen Umweltfaktoren ( Feinstaubbelastung ). Aber auch übertriebene Hygiene kann eine Rolle spielen." Eine Untersuchung ergab, dass Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, wesentlich seltener an Allergien erkranken. Der Kontakt mit verschiedenen Bakterien schadet nicht, sondern stärkt das Immunsystem. Frühkindliche Behandlungen ( innerhalb der ersten sechs Monate nach der Geburt ) mit Antibiotika erhöhen das Risiko an Asthma bronchiale, allergischer Rhinitis, oder Konjunktivitis zu erkranken.

Der Schnuller, der von der Mutter abgeleckt wird, wenn er auf den Boden fällt, ist hingegen nicht Auslöser von Allergien. Die Entwicklung von Karies ist dabei ein anderes Thema. Gegen Ende des Vortrags nannte Frau Dr. Poplawska noch Risikofaktoren in den ersten Lebensjahren. Säuglinge sollen wenn möglich mindestens bis zum Beginn des 5. Lebensmonats gestillt, Beikost ab Beginn des fünften und nicht später als zu Beginn des siebten Lebensmonats gegeben werden. Nach der Einführung der Beikost sollte weiter gestillt und hochpotente Nahrungsmittelallergene sollen nun nicht mehr gemieden werden. Wichtig sei eine gesunde und vielfältige Ernährung mit selbst gekochter Kost bereits im ersten Lebensjahr. Fast Food ist unbedingt zu meiden, da es Untersuchungen gibt, die einen Zusammenhang zwischen Fast Food und späterem Asthma beschreiben. Interessant war auch zu hören, dass Hunde nicht zu den Allergieauslösern zählen, Katzen hingegen schon. Zuletzt ging es noch um die Frage, wie das Vorliegen einer Allergie bestätigt werden kann. "Hierfür gibt es den sog. Haut Prick- Test. Auch eine Blutuntersuchung kann helfen, eine Allergie nachzuweisen.", erklärt die Fachfrau. Therapiemöglichkeiten wurden auch angesprochen, wie z.B. die Hyposensibilisierung (Spezifische Immuntherapie). All diese Fragen sollten bei Bedarf mit den Ärzten besprochen werden. Am Ende des Vortrags gab es noch viele Fragen, die ausführlich von Frau Dr. Poplawska beantwortet wurden. "Ein toller, informativer und anschaulicher Vortrag war das.", so eine junge Mutter. "Ich melde mich direkt für den nächsten Termin an."

Der nächste Vortrag findet statt am 1.12.18 um 10.00 Uhr, in der MVB am Neubrunnenplatz.
Thema dann passend zu der Jahreszeit: "Winterzeit- Hustenzeit"
Referent ist Dr. Oliver Nitsche.